Nominiert für die
Luise Hermann (ARD),
Nele Sophie Karsten (Süddeutsche Zeitung) und
Eva Sager (Wiener Zeitung) nominiert.
Die SILBERNE wird für einen Einzelbeitrag vergeben.
Die ARD-Doku „Heimlich gefilmt – online gedemütigt“ von Luise Hermann und ihrem Team deckt auf, wie Frauen heimlich mit Smartglasses gefilmt und die Videos auf Social Media hundertfach geteilt werden. Eine neue Form digitaler Gewalt, die vor allem Frauen trifft. Das Team sprach mit Betroffenen, konnte einen Täter persönlich konfrontieren und legte strafrechtliche Lücken in der Verfolgung offen. Die Recherche erzielte reale politische Wirkung: Deutsche Städte wie Potsdam und Köln verboten Smart Glasses in Bädern und Saunen. Sogar auf EU-Ebene regt sich inzwischen Widerstand gegen die Technologie. Die Jurorinnen würdigten die Doku als „wahnsinnig eindringlich und gut“ und hoffen, dass die Nominierung noch mehr Journalistinnen und auch Journalisten in Österreich anregt, zum Thema Big Tech und Frauenfeindlichkeit zu publizieren.
„Dann besser keinen“, betitelt die Journalistin Nele Sophie Karsten ihren Text im Magazin der Süddeutschen Zeitung. Die 30-Jährige beleuchtet den Social-Media-Trend #boysober. Er ist die Antwort ernüchterter Frauen auf Femizide, Sexismus und männlichen Machtmissbrauch. Radikal und konzentriert konstatiert sie, dass es angesichts struktureller Schieflagen besser wäre, ohne Mann an der Seite durchs Leben zu gehen. Die Autorin untermauert mit statistischen Daten, liefert wissenschaftliche Analysen sowie mit „Heterofatalismus“ auch den bereits etablierten Fachbegriff zum Trend, ihr internationaler Rundblick auf das Phänomen reicht bis nach Südkorea. Eine Jurorin sagt: „Die Kombination aus fundierter Recherche und der resignierten Selbstoffenbarung einer noch so jungen Frau hat mich wirklich bewegt.“ Die Radikalität, mit der hier mit tradierten Mustern aufgeräumt werde, sei beeindruckend und klarer Ausdruck davon, dass zu lange zu wenig gegen die evidenten Missstände getan wurde.
Ausgehend von der Causa ORF/Weißmann thematisiert Eva Sagers Beitrag „Wenn ich einen guten Arsch sehe, muss ich draufhauen“ für die Wiener Zeitung sexuelle Belästigung in der Medienszene und macht strukturelle Ungleichheiten sowie Machtmissbrauch im journalistischen Arbeitsumfeld sichtbar. Persönliche Berichte Betroffener, fundierte Recherche und klare gesellschaftliche Einordnung verbinden sich zu einer differenzierten Aufbereitung eines oft tabuisierten Themas. Die Jurorinnen würdigten die Dramaturgie von brutalen persönlichen Erlebnissen hin zur fundierten Problemanalyse und begrüßen, dass Wege zur Lösung aufgezeigt werden. Eine Jurorin: „Journalismus als Säule der Demokratie muss auch die Machtstrukturen hinter dem Missbrauch ansprechen, der vorliegende Beitrag tut das.“ Es gelingt dem ehemaligen YoungStar, einen wichtigen Beitrag zur Förderung eines zeitgemäßen Frauenbildes zu leisten. Gleichzeitig stärkt die junge Journalistin die öffentliche Sensibilisierung für Gleichstellungsfragen.
