Panel 4 - Die Macht der Worte

Linguistin Wodak gegen die „Arroganz der Ignoranz“, Brodnig: journalistisches Selbstvertrauen „zurückerobern“

Wien (OTS) - „Die Macht der Worte – entgleiten den Medien die Informationen?“: Der Ausgang der US-Präsidentenwahl verlieh dieser Frage als Thema einer Podiumsdiskussion im Rahmen des 18. Journalistinnenkongresses im Haus der Industrie in Wien besondere Aktualität: Wie mit den unterschiedlichen Realitäten von Journalismus umgehen? Wie sich verhalten angesichts von Falschmeldungen?

 

Ruth WodakLaut der Linguistin an den Unis Wien und Lancaster, Ruth Wodak, liegt das Problem darin, dass nur gehört werde, was gehört werden wolle. So würden „Realitäten weggewischt“. Die „Arroganz der Ignoranz“, sodass Bildung scheinbar nicht mehr zähle, trete immer mehr in den Vordergrund.

Der öffentliche digitale Raum ermögliche politischen Parteien, viele Menschen direkt zu erreichen - wobei es darauf ankomme, wie stark die Parteien im Erzählen seien, meinte die Journalistin und BuchautorinIngrid Brodnig Ingrid Brodnig. Dabei würden bei Userinnen und Usern bereits vorhandene Emotionen und Einstellungen angesprochen und vielfach bestätigt.

Hier, so die Moderatorin und Journalistin Cathrin Kahlweit, stelle sich die Frage, wie Politik verständlicher gemacht werden könne. Dies sei keine journalistische Aufgabe, sondern eine der Politikerinnen und Politiker selbst. Von Journalistenseite wiederum müsse über Cathrin KahlweitSchlagzeilen hinaus berichterstattet und informiert werden. Wichtig sei Hintergrundinformation.

Diese könne auch im Internet direkt stattfinden, sagte Andre Wolf von der Initiative gegen Internetmissbrauch, Mimikama. Der Vorteil dabei: Journalistinnen und Journalisten könnten mit Userinnen und Usern kommunizieren, was bei klassischen Medien nicht der Fall sei.Andre Wolf

Abschließend wurde darüber diskutiert, ob von einer Selbstabschaffung des Journalismus“ die Rede sein könne. Durch das „ständig Eine aufs Maul kriegen“ sinke bei Journalistinnen und Journalisten das Selbstbewusstsein. Wodak nannte es „eine Zensur im Kopf“. Daher, so Brodnig, müssten Selbstermächtigung und Selbstbewusstsein „zurückerobert“ werden. Fehler eines Mediums müssten eingestanden werden, aber sachlich sowie „auf Augenhöhe“.

Wie könnten Journalistinnen und Journalisten die Glaubwürdigkeit wieder herstellen? Laut Kahlweit durch stetiges Erklären: „Wir lernen. Wir sind nicht Pressesprecher von Parteien, wir sind nicht Facebook und müssen mit den Leserinnen und Lesern reden, nicht über sie“.

Bernadette Bruckner, Youngstar beim 18. Journalistinnenkongress