Panel 2 - Sprache im Gespräch

Linguistin Wehling über politische Glaubwürdigkeit und „Framing“: neue Deutungsrahmen setzen

Wien (OTS) - Der Sieg Donald Trumps bei der US-Präsidentschaftswahl sei auf die Verwendung einer einfachen Sprache zurückzuführen, sagte die Sprachwissenschaftlerin Elisabeth Wehling vom Department of Linguistics der University of Carolina, Berkeley (USA) beim 18. Journalistinnenkongress im Wiener Haus der Industrie. Durch Slogans wie „Wir brauchen eine Mauer“ oder „Make America Great Again“ würden konkrete Bilder entworfen, die bei den Wählerinnen und Wählern im Gedächtnis blieben, führte sie im Gespräch mit Daniela Kraus, Geschäftsführerin des Forum Journalismus und Medien (fjum), aus.

Die Medien seien nicht verantwortlich für Trumps Sieg, da es die Aufgabe der Medien sei, über das politische Geschehen zu berichten. Manipulative Medien würden auch in den USA existieren, jedoch seien diese nicht die Mehrheit, sagte sie in Panel 2, Titel: „Sprache im Gespräch – Wie kann Glaubwürdigkeit funktionieren?“.

Im Mittelpunkt der Debatte stand der Begriff des „Framing“, Er setze einen Deutungsrahmen, der die Sprache mit einer Ideologie verknüpfe, sagte Wehling. Dies werde etwa anhand von Schlagwörtern wie „Flüchtlingswelle“ klar. So werde ein Konzept geschaffen, das Flüchtlinge als ebenso bedrohlich wie Wassermassen darstelle.

Wehling empfahl, sich mit der Forschung vertraut zu machen, da die klassische Vernunft in diesem Zusammenhang nicht funktioniere. Nur mit Fakten könne man nicht mehr punkten. Für den Journalismus bedeute das, sich die „Frames“ anzusehen, um neue zu schaffen. Statt dem Begriff „Flüchtlingskrise“ schlug sie etwa das Wort „Aufnahmekrise“ vor.

Negativ „geframte“ Wörter wiederum sollten nicht direkt neu „geframt werden“ sondern durch die Einführung neuer Begriffe ersetzt werden. Statt dem Wort „Gutmensch“ könne man einfach von guten Menschen sprechen, um den negativen Assoziationen zu entkommen. Dadurch werde mehr Glaubwürdigkeit geschaffen.